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Berenice
Güttler

27.08. – 15.10. 2017

Fitting

Mit „Fitting. New York-Stipendium 2016 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen“ präsentiert der Kunstverein Göttingen die erste institutionelle Einzelausstellung von Berenice Güttler. In Göttingen wird Güttler, die 2016 Rezipientin des Stipendiums war, nun erstmals eine Reihe von neuen Arbeiten zeigen, die zum Teil durch ihren New-York-Aufenthalt inspiriert wurden.

„Fitting“ untersucht und konstruiert die Beziehung zwischen Stoff und menschlichem Körper. In den Medien Zeichnung und Textil nähert sich die Künstlerin verschiedenen möglichen Wesenheiten im Bezug auf soziale und gesellschaftliche Fragen, wie etwa nach der politischen Geschichte oder Genderpolitik, an. Dem Stoff als künstlerisches Medium kommt dabei eine besondere Funktion zu: Die Auswahl der einzelnen Textilien aufgrund ihrer Farbe, Textur und Oberfläche wie auch deren Entstehungs- und Referenzgeschichte ist ein zentraler Aspekt in Güttlers Praxis. Das Zusammenbringen und die Kombination der einzelnen Stoffelemente im künstlerischen Prozess entwickelt Güttler mit großer Sorgfalt und spielerischer Leichtigkeit. Die Künstlerin bedient sich der Techniken des Nähens, Schneidens und Zeichnens und greift immer auch die Geschichte und den Einfluss von Textilarbeiten auf Kunst und Alltag auf, um Arbeiten zu entwickeln, die unter anderem über Struktur, Muster, Material und Webtechniken Aussagen über unsere Welt treffen. Die skulpturalen Werke, die auf diese Weise entstehen, präsentieren abstrakte Zustände, die Güttler in materielle Hüllen verfestigt hat – im Ausstellungsraum vor allem in „Kleidungsstücken“, für die sie eigene Präsentationsformen und Displays entwickelt. Die Künstlerin thematisiert und präsentiert gesellschaftliche Verwandlungsprozesse und Seinszustände, die sie in opaken wie transparenten Körpern einfängt und so sichtbar werden lässt. Güttler verbindet die unterschiedlichen Materialen und legt den Entstehungsprozess – vom Schnittmuster zum Objekt – offen. Trotz ihrer Kenntnis und den Bezügen zur Formsprache der Schneiderei und Modeindustrie zeigt Güttler keine „perfekten“ fertigen Kleidungsstücke, sondern deutet die maschinelle Verarbeitung nur an – etwa indem sie die Nähte offenlegt oder die Schnittkanten nicht versäubert – und hält die Stoffarbeiten in einem fragilen, fast unfertigen Schwebezustand. Die gezeigten „Westen“ oder „Hosen“ sind keine tatsächliche Kleidung, sie sind keine Gebrauchs- oder Alltagsgegenstände, sondern Collagen, die mit der Kombinatorik unterschiedlicher Farben und Materialien spielen. Im Ausstellungsraum lässt Güttler die Farbigkeit und die Formen der ausgewählten Arbeiten miteinander kommunizieren und schafft so eine skulpturale Form „Konkreter Malerei“.

Zu der Ausstellung „Fitting“ im Kunstverein Göttingen, die im Anschluss an die Städtische Galerie Nordhorn wandert, entsteht ein Überblickskatalog, herausgegeben im Kunstbuchverlag argobooks.

Berenice Güttler (*1984 in Hannover) absolvierte eine Ausbildung zur Damenschneiderin und studierte anschließend Freie Kunst an der HBK Braunschweig, wo sie 2012 das Diplom ablegte und bis 2013 Meisterschülerin von Prof. Thomas Rentmeister war. Sie erhielt 2010 das Istanbul-Residenzstipendium der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und 2016 das New York-Residenzstipendium und. Berenice Güttler hat an zahlreichen internationalen Ausstellungsprojekten teilgenommen, u.a. in Istanbul, Köln, Hannover, Berlin und New York.

Das New York-Stipendium wird von der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und dem Land Niedersachsen an herausragende Künstlerinnen und und Künstler aus Niedersachsen vergeben.