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göttingen

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Heiko
Blankenstein

15.02. – 31.03. 2012

Grundrauschen

Von einem Rasenpodest empor gehoben, schwebt ein Gitarrenspieler über einer Landschaft mit einem verlassenen Haus. Auf einem Berg präsentieren Ziegen ihre trophäenartigen Geweihe und im Ausstellungsraum ist ein glitzernder Garten gesprossen. Die Szenarien, die in Heiko Blankensteins aufwändigen,
großformatigen Zeichnungen und skulpturalen Installationen
dargestellt werden, haben ihre eigene Gesetzmäßigkeit. Diese virtuos gezeichneten Bildwelten nehmen ihre Inspiration aus unterschiedlichsten Quellen - aus frühen astronomischen Illustrationen, aus wirklichen Landschaften und aus der Popkultur - und zeigen seltsame Mutationen der Natur sowie deren merkwürdige Fusionen mit dem menschlichen Alltag. Eine einsame Figur erscheint immer wieder in diesen Bildern. Entweder fliegend oder auf einer elektrischen Gitarre spielend ist sie zugleich Sender und Empfänger einer anonymen kosmischen Vibration.

Die Ausstellung GRUNDRAUSCHEN entfaltet sich entlang von zwei thematischen Fäden: der elementaren schöpferischen Kraft der Natur und dem Unheil, das der menschliche Eingriff in die natürliche Welt mit sich bringt. GRUNDRAUSCHEN meint einerseits das Summen eines elektronischen Gerätes, anderseits beschreibt der Begriff in der Kommunikationstheorie die Kombination von beabsichtigten Signalen mit ungewollten Geräuschen (sowohl natürlichen als auch menschlichen Ursprungs), d.h. eine Überlagerung menschlicher und natürlicher Interferenzen. Eine zentrale Installation der Ausstellung, twelvesoundtreetable, gibt diese Idee wieder: die Kabel eines Verstärkers zapfen Energie aus einem Baum, der aus einem Tisch wächst. Zusammen bilden der Tisch und der Baum eine unnatürliche blaue Einheit. Die Geräusche aus dem Verstärker sind eine Mischung aus Störgeräuschen, Musikfragmenten und einem Vortrag von Stephen Hawking über die vierte Dimension. In einer weiteren Installation, die spezifisch für den Kunstverein Göttingen entsteht, hat eine Wiese mit glänzenden, kupferfarbenen Pflanzen den Raum zwischen zwei Säulen eingenommen. Die Wiese ist eine ganz "gewöhnliche" Wiese – man erkennt Löwenzahn und Klee –, die aber durch zunehmende Urbanisierung, Monokulturen und Pestizide zunehmend verschwindet. Es sind  Naturgewächse, die, wie in der Zeichung Monsanto supernature, deren Titel auf den berüchtigten multinationalen Produzenten von gentechnisch verändertem Saatgut verweist, von einer strahlenden Explosion bedroht sind.

Vor allem ist es aber die Farbigkeit von Blankensteins Arbeiten – insbesondere das ätzende Grün seiner Leuchtkästen –, die seinen Kompositionen ein Element des Surrealen und Psychedelischen hinzufügt. Die Kosmologie und die Chaostheorie bieten durchgehend Anhaltspunkte für eine Welt umfassende Perspektive in den Arbeiten des Künstlers, aber letztlich betont sein Blick auf die Natur immer das Artifizielle. Seine sich weit öffnenden Landschaften erinnern einerseits an die Tradition der romantischen Malerei, anderseits sind sie in ein synthetisches Licht getaucht. Nichts desto trotz fehlt in ihnen jegliche Spur von Ironie. GRUNDRAUSCHEN ist eine Auseinandersetzung mit der zunehmenden Künstlichkeit unserer natürlichen Umwelt. Blankenstein reagiert auf diesen Zustand, indem er sich auf diese veränderten Gegebenheiten einlässt.