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göttingen

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Julius
von Bismarck

03.08. – 23.08. 2015

Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer

Vom 5. Juni bis 23. August 2015 präsentiert der Kunstverein Göttingen die erste institutionelle Einzelausstellung von Julius von Bismarck in Deutschland.

Mit seinen Installationen, Videoarbeiten und Performances untersucht Julius von Bismarck den menschlichen Wahrnehmungsapparat und fordert unsere perzeptiven Gewohnheiten heraus. Sein interdisziplinärer Ansatz ist eine schöpferische Befragung der Welt und der Natur, die der Mensch zunehmend verwandelt.

Diese erste institutionelle Einzelausstellung des Künstlers präsentiert eine Auswahl von Video- arbeiten und Fotoarbeiten, die seine Erkundung der natürlichen Welt begleiten. Als eigenständige Arbeiten haben die Videos des Künstlers einen starken dokumentarischen, wenn auch performativen Charakter. Oft steht die Handlung des Künstlers im Mittelpunkt: Zum Beispiel in »Punishment I« (2012) reist von Bismarck durch die Welt und peitscht wiederholt bis zur eigenen Erschöpfung monumentale, romantisch anmutende Landschaften und ikonische Denkmäler aus, unter anderem die Schweizer Alpen, die Wellen des Atlantik und die amerikanische Freiheitsstatue. Deutlich ist die Anspielung auf den altpersischen Herrscher Xerxes I., der das Meer nach einem gescheiterten Brückenschlag über die Dardanellen nach Griechenland auspeitschen ließ. In einem ähnlichen Kräftemessen zwischen Mensch und Natur zeigt das Video Baumanalyse den Künstler einen Baumstamm umkreisend und mit einem Taschenmesser in der Hand. Über einen Zeitraum von etwa acht Stunden gelingt es ihm, den Baumstamm mit dem Messer so weit einzuritzen, dass der dicke Baum schließlich gefällt wird. Jeden Tag zum Schluss der Ausstellung kracht der Baum zu Boden.

In »Landschaftsmalerei« (2015), einer neuen Arbeit, die in Mexiko produziert wurde, lässt von Bismarck eine bergige Landschaft weiß anstreichen, um sie an- schließend wieder naturgetreu zu bemalen. In dieser aufwändigen Aktion vollzieht er eine Umkehrung eines malerischen Gestus des 19. Jahrhunderts – mithilfe einer großen Zahl von mexikanischen Arbeitern vor Ort.

Auch Tiere finden Eingang in diesen Kosmos: Auf spielerische Art und Weise dokumentiert die Fotoserie »Some pigeons are more equal than others« die Verwandlung von herkömmlichen Stadttauben in bunte, exotische Paradiesvögel durch eine von Julius von Bismarck und Julian Charrière entworfene mechanische Falle, die die Vögel anlockt, fängt und mithilfe von Lebensmittelfarbe transformiert.

Eine Arbeit des Künstlers wird im öffentlichen Raum installiert. In Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen wird »Forest Apparatus« im Alten Botanischen Garten präsentiert. Die Arbeit ist eine lebensgroße Birke aus Aluminium, Bauschaum und Farbe, ein »Lockbaum« umgeben von gewachsenen Bäumen. Der unwissenden Betrachter bemerkt den Unterschied nicht, der eingeweihte verliert sich in der Suche nach dem falschen Baum.

Begleitend zu dieser Präsentation von neueren und älteren Arbeiten erscheint der erste werkübergreifende Katalog des Künstlers im Kerber Verlag.