kunstverein
göttingen

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Sebastian
Stumpf

16.01. – 27.02. 2011

All these Walls

Sebastian Stumpf
(*1980 in Würzburg, lebt und arbeitet in Leipzig)

Der Täter kehrt immer an den Ort des Geschehens zurück – so ist es im Kriminalroman. Die Performances, die punktgenauen Körperaktionen, mit denen Sebastian Stumpf den öffentlichen wie den Ausstellungsraum und seine Grenzen auslotet, kehren ebenfalls genau an den Ort zurück, an dem sie geschahen. Präzise projiziert an genau die gleiche Stelle, beziehen sie das Individuum auf den Kontext zeitgenössischer Architektur, die Projektion überblendet dabei mit dem Video den bestehenden Raum. Beides fällt in eins. Die Grenzen werden doppelt gezogen und zerfallen zugleich, fotografische und filmische Bilder von großer Klarheit entstehen. Die vermeintliche Unmittelbarkeit der räumlichen Erfahrung zieht sich zurück hinter die Fassade eines medial vermittelten Erlebnisses, es geschieht, was geschah, was geschieht.
Manchmal klebt er, klammert er sich einfach auf Hüfthöhe an einem Baum, dahinter ist eine Betonfassade zu sehen. Er ist Subjekt und Objekt.

Die fließenden Bewegungsabläufe Stumpfs, denen eines Parcours ähnlich, bestimmen in Sprung und Fall die Grenze der Räume, der Wege und auch der urbanen Szenen auf einer sehr haptischen Ebene. Der Künstler überspringt die Grenze zwischen Realität und Abbild, zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit der gleichen lässigen Geste wie ein Treppengeländer: Der Augenblick ist in seinem fragilsten Moment festgehalten.

Sebastian Stumpf war 2010 eine der Entdeckungen bei der 6. Berlin Biennale und wurde - ebenfalls in 2010 – mit den Marion-Ermer-Preis der Marion-Ermer-Stiftung ausgezeichnet. Die Ausstellung im Kunstverein Göttingen wird seine erste Einzelausstellung in einem Kunstverein sein.