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göttingen

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Skafte
Kuhn

19.06. – 31.07. 2011

Am Morgen nach dem Sturm

Skafte Kuhn (*1969 in Mannheim, lebt und arbeitet in Karlsruhe)

Etwas Schwarzes fließt herab, bildet eine dunkel glänzende Pfütze auf dem hellen Boden des Ausstellungsraumes, unweit sind vier weitere Seen aus dem düsteren Lack zu sehen. Aus ihnen erwachsen im vermeintlich herabrinnenden Strahl die Stützen eines Objektes, das wie mehrere schwarze, polyedrische Spielbälle auf dem Wasser zu schweben scheint.
Es sind „eingefrorene“ Momente, vergleichbar mit dem ‚frozen frame’ im Film. Jeder Verlauf ist unterbrochen, bleibt dennoch sichtbar, die Bewegung ist erstarrt. Es ist die Vorstellung, den Augenblick zwischen einem zeitlichen Vorher und Nachher festzuhalten, der sich in Skafte Kuhns Arbeiten findet. Das inhaltliche Motiv der Fragilität und Vergänglichkeit des Augenblicks, die Sehnsucht Zeit festzuhalten, sowie das Begreifen labyrinthischer Windungen der menschlichen Psyche stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Ausgangspunkt jedoch von Kuhns komplexen Rauminstallationen sind die Auseinandersetzung mit Texten aus Musik und Literatur. Er stellt Bezüge zwischen Musikern und Schriftstellern unterschiedlicher Epochen her. Obwohl sie zeitlich weit voneinander entfernt sind, beschreiben sie ähnliche Sehnsüchte, Stimmungen oder Situationen. In früheren Werkkomplexen waren Texte, wie die des Dichters John Milton (1608-1674), des Schriftstellers William Shakespeare (1564-1616) oder des Lyrikers Rainer Maria Rilke (1875-1926), Bezugspunkte für Skafte Kuhns installative Settings. Zudem bezieht Kuhn zeitgenössische Songtexte von Bands wie Joy Division, The Meteors oder Anne Clark mit ein. Subtil spielt er mit figurativen Andeutungen und abstrakter Formgebung, romantische Illusion und spröde Konstruktion scheinen jederzeit als Möglichkeit auf. Die Installation „Der Mond ging unter, schlagen hört ich`s nicht“ (2004) verbindet Wände, Decke und Boden des Ausstellungsraums zu einer dreidimensionalen Malerei. Vor einem illusionistischen Horizont, der sich aus straff gespanntem Nähgarn in Rottönen über die Wände zieht, scheint ein kristalliner silberner Eiszapfen aus der Decke zu wachsen. Am Boden angehäufte schwarze Punkte aus Seidenpapier bieten dem Besucher die Möglichkeit das Landschaftsbild zu erweitern, indem diese wie Erde an den Füßen der Besucher hängen bleiben und in den Raum weiter getragen werden. Es entsteht eine Spannung zwischen der zeitlosen Anordnung der statischen Objekte und dem zeitlichen Verlauf der subjektiven Erfahrung des Betrachters, mit der sich die Installation verändert.

Skafte Kuhn hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe studiert und wurde 2007/2008 mit Stipendien des Kunstfonds Bonn, der Künstlerhäuser Worpswede und der Deutschen Akademie in Rom, Casa Baldi, ausgezeichnet. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland kennzeichnen seinen künstlerischen Weg. Mit seiner Ausstellung in Göttingen möchte der Kunstverein Göttingen die Arbeiten des Künstlers im niedersächsischen Raum vorstellen.