kunstverein
göttingen

  1. English
  2. Über uns
  3. Kontakt
  4. Impressum

Haunted Thresholds
Spirituality in Contemporary Southeast Asia

09.11. – 22.12. 2014

Gruppenausstellung / Group Exhibition

In Kooperation mit dem Kompetenznetzwerk „Dynamiken von Religion in Südostasien“ (DORISEA), Universität Göttingen

Künstler/innen: Art Labor (Vietnam), Maung DAY (Myanmar), Riel HILARIO (Philippines), HO Tzu Nyen (Singapore), NGUYEN TRINH Thi (Vietnam), Jakrawal NILTHAMRONG (Thailand), Yudi NOOR (Indonesia), Kaensan RATTANASOMRERK (Thailand), John Frank SABADO (Philippines), Taiki SAKPISIT, Chulayarnnon SIRIPHOL (Thailand), THAN Sok (Cambodia), TRUONG CONG Tung (Vietnam), Apichatpong WEERASETHAKUL (Thailand), Entang WIHARSO (Indonesia)

Kuratiert von Lauren Reid

Haunted Thresholds ist ein Resultat der Zusammenarbeit zwischen dem Kunstverein Göttingen e.V. und dem Forschungsnetzwerk “Dynamiken von Religion in Südostasien“ (DORISEA), das vom Ministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. DORISEA untersucht die Beziehungen von Religion und Moderne in Südostasien, das durch besonders komplexe Verflechtungen verschiedener Kulturen und Religionen geprägt ist. Die in der Region vertretenen Religionen haben vielfältige Dynamiken entwickelt und gestalten Modernisierungsprozesse entscheidend mit.

Die Ausstellung spürt der Präsenz von Religion und Spiritualität im Alltag nach und zeigt Künstler/innen aus Südostasien, die sowohl die intimen Verbindungen als auch die radikalen Brüche zwischen modernem Leben und dem Religiösen erkunden. Ihre Werke sprechen von unsichtbaren Kräften, modernen Ritualen und karmischen Gesten. Spiritualität und Mythologie verschmelzen mit dem Alltäglichen, die Grenzen zwischen verschiedenen Realitäten, Zeiten und Seinszuständen lösen sich auf.

Die Künstler/innen präsentieren subjektive Perspektiven und ungelöste Fragen, die ihren individuellen Erfahrungen und künstlerischen Kontexten entspringen. Sie repräsentieren weder einen Staat noch eine Region oder Ideologie. Vor allem nutzen alle ihre je spezifischen Repertoires an mythologischen Elementen, um eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen, die Region neu zu schreiben und die Wunden des Kolonialismus zu artikulieren.

Die Künstler/innen konzentrieren sich auf die Auswirkungen der Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft. So bezieht sich der Filmemacher Apichatpong Weerasethakul subtil auf die gewalttätige Geschichte von Nabua, Thailand. Maung Days Gedichte hinterfragen die birmanische Regierung und verbinden in einem einzigen Werk kulturelle Referenzen von Depeche Mode bis zu den himmlischen Wesen namens Devas. Die komplizierten Zeichnungen von Wäldern und Geistern des philippinischen Künstlers John Frank Sabado vermitteln einen Eindruck der aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehung zwischen der Natur und den Geistern der Vorfahren.

Reflektionen verschiedener Ausprägungen des Buddhismus, einer der verbreitetsten Religionen in Südostasien, finden sich in der gesamten Ausstellung. Jakrawal Nilthamrongs Film über die meditative Arbeit eines Mönches wurde durch einen Freund inspiriert, der in einem Wald-Tempel in Thailand lebt, während Than Soks Werk das Verfahren der monetären Almosenspende an Mönche in Kambodscha hinterfragt. Mit einem leisen, kritischen Ansatz zeigt Kaensan Rattanasomrerk, wie Objekte durch Rituale in etwas Heiliges transformiert werden können und Chulayarnnon Siriphol zieht Parallelen zwischen religiöser Träumerei und Politik im heutigen Bangkok.

Mittels eines experimentell-dokumentarischen Ansatzes zeigen Künstler wie Truong Cong Tung und Nguyen Trinh Thi auf poetische Art und Weise einzigartige Rituale in Vietnam: die Heilrituale im sogenannten “Magischen Garten“ in der Provinz Long An und diejenigen der homosexuellen Geistermedien der populären Dao Mau Religion in Hanoi.

Haunted Thresholds verbindet eine Vielzahl von künstlerischen Medien. Sie reichen von traditionellen Techniken wie Riel Hilarios‘ aktuell kaum mehr gebräuchlichem Holzschnitzer-Ritual aus seinem Kindheitsort San Vicente Ilocos Sur auf den Philippinen bis hin zu zeitgenössischen Ansätzen wie die aufwändige Bearbeitung der B-Movies der 80er Jahre aus Thailand von Taiki Sakpisit. Der indonesische Künstler Yudi Noor konzentriert sich auf die Vielzahl der Religionen in Indonesien. Beeinflusst durch muslimische Perspektiven, schafft er Assemblagen aus gesammelten Objekten. Was sich in den Arbeiten aller Künstler wiederholt, ist die Vermischung von intellektuellen, religiösen und kulturellen Einflüssen, in denen sich „Ost“ und „West“, alte Traditionen und moderne Medien begegnen.

In Entang Wiharsos Metallreliefs, die sich oft auf transzendentale Traumzustände beziehen, verschmelzen persönliche Erinnerungen mit der Geschichte Indonesiens. Mit Fokus auf die Mythologie seiner Heimat Singapur gräbt Ho Tzu Nyen in der Vergangenheit, um andere Versionen der Geschichte zu offenbaren, die zeigen, dass sie komplexer, vielschichtiger und verwobener ist, als es den Anschein hat. Schließlich erforscht Art Labor Glaubenssysteme noch weitgehender, indem sie mit Theoretiker/innen aus unterschiedlichen Disziplinen kollaborieren, um Ressourcen zu sammeln, die auf der Spiritualität und der Mythologie Südostasiens und anderer Regionen basieren. Die Künstler betonen gleichzeitig die Pluralität von Mythologie und Spiritualität, die sich über die Grenzen Südostasiens hinaus erstrecken.

Haunted Thresholds bringt diese Arbeiten in einen experimentellen Dialog mit ausgewählten südostasiatischen Objekten aus der Ethnologischen Sammlung des Instituts für Ethnologie an der Universität Göttingen. Mit ihrer eigenen Ästhetik und Reflexivität verweisen diese Objekte auf die gleichen Themen und Fragen, mit denen sich die zeitgenössischen Künstler/innen sich beschäftigen.

Die Ausstellung wird gefördert von: Land Niedersachsen, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Stadt Göttingen, Landschaftsverband Südniedersachsen e.V., Sparkasse Göttingen, Universitätsbund Göttingen e.V. und Dr. Walther-Liebehenz-Stiftung