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50 Jahre Kunstverein Göttingen

Auf ein halbes Jahrhundert kontinuierlichen Engagements für die Bildende Kunst kann der Kunstverein Göttingen e. V. in diesem Jahr zurückblicken. Das Jubiläum wird im August mit einem großen Mitgliederfest im Künstlerhaus gefeiert. Ferner wird eine Publikation über die Ausstellungen und die Veranstaltungen seit der Gründung sowie andere Aspekte der Vereinsgeschichte erarbeitet.

Gegründet wurde der Kunstverein im Jahr 1968 durch bürgerlich – akademisch ausgerichtete Kunstfreunde. Am Anfang stand der Befund, dass das Kulturleben Göttingens vor allem in den Sparten Musik und Theater recht gut entwickelt sei, in der Bildenden Kunst jedoch erhebliche Defizite aufweise. Wie das langjährige Vorstandsmitglied Annerose Arglebe bereits vor vielen Jahren in einem Vortrag darlegte, wurde diese Einschätzung zur Grundlage für Dr. Heinrich Wurm, sich als „treibende Kraft“ bei der Gründung und in den Anfangsjahren für den Kunstverein zu engagieren. Zunächst fanden die Kunst-Ausstellungen vor allem im Städtischen Museum statt. Gern hätte Dr. Wurm das Rohn’sche Badehaus im Cheltenham-Park sowohl für die Ausstellungen als auch für den offiziellen Sitz des Vereins zur Verfügung gestellt bekommen, dieses wurde jedoch an einen Antiquitätenhändler vergeben. Es folgten weitere Jahrzehnte der Suche nach geeigneten eigenen Räumlichkeiten. So engagierte sich z. B. der langjährige Vorsitzende Prof. Dr. Kurt von Figura für den Plan, im Alten Auditorium der Universität am Weender Tor ein Göttinger Kunstmuseum einzurichten, in dem sowohl die Bestände des Kunsthistorischen Seminars der Universität in wesentlich größerem Umfang als auch die Ausstellungen des Kunstvereins gezeigt werden könnten. Das scheiterte jedoch an der Sorge um die Deckung der Folgekosten bei der Stadt Göttingen.

Heute hat der Kunstverein zusammen mit dem Künstlerhaus Göttingen e.V. seinen Sitz im Künstlerhaus in der Gotmarstraße. Für seine Ausstellungen nutzt er sowohl die Galerieräume im Künstlerhaus als auch die Ausstellungsräume im Alten Rathaus. Für die Zukunft hofft der Kunstverein, wie sein langjähriger Geschäftsführer Helmut Wenzel ausführt, auf erweiterte eigene Räumlichkeiten im Rahmen des geplanten Kunstquartiers „KuQua“. Trotz des bisherigen Fehlens eigener Räumlichkeiten hat sich der Kunstverein in den letzten 50 Jahren zu einer festen Größe in und um Göttingen entwickelt. Keine andere Institution in Südniedersachsen bietet in solcher Vielfalt und Kontinuität Ausstellungen junger Gegenwartskunst mit überregionalem und internationalem Hintergrund. Für diese Künstlerinnen und Künstler bietet der Kunstverein damit, wie es das Anliegen aller Kunstvereine in Deutschland ist, oft deren erste in-stitutionelle Einzelausstellung, häufig begleitet von Publikati-onen wie einem Katalog oder einem Künstlerbuch. So kann es dem aufmerksamen Kunstfreund passieren, dass er den ihm bereits aus Göttingen bekannten Künstlern später auf der Documenta oder der Biennale in Venedig, bei bedeutenden Galerien oder auf internationalen Kunstmessen begegnet. Einige der inzwischen namhaften Künstlerinnen und Künstler aus den letzten Jahren sind z.B. Nevin Aladağ (Türkei), Kristine Roepstorff (Dänemark), Lisa Oppenheim (USA), Christian Jankowski (Deutschland), Sebastian Stumpf (Deutschland), Julius von Bismarck (Deutschland) und Mariechen Danz (Irland).

Neben den Ausstellungen selbst und den sie begleitenden Veranstaltungen wie Führungen, Performances und Künstlergespräche betreibt der Kunstverein inzwischen seit vielen Jahren eine besondere Form der Kunstvermittlung, die sich auf ein handlungs- und produktionsorientiertes Konzept stützt: parallel zu den Ausstellungen werden z. B. Workshops mit den jeweiligen Künstlern oder Schülerprojekte durchgeführt, die sich thematisch auf die jeweilige Ausstellung beziehen oder sich mit einzelnen Werken daraus aktiv auseinan-dersetzen. Diese sehr erfolgreiche Form der Kunstvermittlung wurde zunächst von Anja Marrack betreut und wird heute von Carola Gottschalk und ihrem Team gestaltet. Jahrelang nahm der Kunstverein Göttingen hier eine Vorreiterrolle ein, mittlerweile bieten auch andere niedersächsische Kunstvereine ein solches Programm an.

Seit 1988 bietet die Artothek als ein weiteres Aufgabenfeld des Kunstvereins die Möglichkeit, sich Kunst für das eigene Wohnzimmer oder für die Firma, Praxis, Kanzlei etc. auszuleihen. Ca. 700 Werke stehen dafür zur Verfügung, haupt-sächlich Originalgrafiken in unterschiedlichen Techniken und Fotografien der aktuellen Gegenwartskunst sowie einige „Klassiker“ wie z.B. Max Ernst, Käthe Kollwitz, Ernst Barlach oder Horst Jansen. Die Artothek wird seit ihrer Gründung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betrieben.

Das Land Niedersachsen/MWK würdigt durch seine Förderung das Jahresausstellungsprogramm und die Kunstvermittlung des Kunstvereins Göttingen in besonderer Weise. Diesem und den anderen grundlegenden institutionellen Förderern, wie vor allem der Stadt Göttingen sowie der finanziellen Unterstützung seiner Vereinsarbeit durch die Sparkassse Göttingen ist der Kunstverein Göttingen sehr zu Dank verpflichtet.