Mai 2026
TRANSHUMAN N°2 Roy Köhnke Being Flesh kuratiert von Stephan Klee Vernissage Samstag, den 30. Mai 17 Uhr geöffnet bis 20 Uhr (Eintritt frei) Laufzeit 31. Mai – 26. Jul 2026 Di – So 11 – 17 Uhr Ort Altes
TRANSHUMAN N°2
Roy Köhnke
Being Flesh
kuratiert von Stephan Klee
Vernissage
Samstag, den 30. Mai 17 Uhr
geöffnet bis 20 Uhr (Eintritt frei)
Laufzeit
31. Mai – 26. Jul 2026
Di – So 11 – 17 Uhr
Ort
Altes Rathaus Göttingen (1. OG)
Markt 9
37073 Göttingen
Eintritt:
€ 3,00 / € 1,50 (ermäßigt)
Gäste bis 18 Jahren frei
Kultur Ticket frei
Vernissagen und Finissagen frei
EINFÜHRUNG
„Wir haben es nicht einmal versucht. Wir sollten entweder den Tod besiegen oder zumindest herausfinden, warum es unmöglich ist.“ *
Der Transhumanismus strebt primär die Optimierung, ja die Überwindung, des menschlichen Körpers nach heutigem Verständnis an. Durch Investmentkapital zusätzlich beschleunigt, zählen für diese Ideologie u.a. Genetik, Bio-Ingenieurwesen, künstliche Intelligenz, Prothetik, Kryonik (Eiskonservierung von Körpern) als Kerntechnologien. Positiv ausgedrückt, soll die humane Species „ermächtigt“ werden: mehr Leitungsfähigkeit, bessere Sinne, höhere und ortsunabhängige Intelligenz, keine Krankheiten und kein Altern mehr. Die idealisierten Humanoiden sind demzufolge unsterbliche „Über-Subjekte“. Deren zukünftige Verwandtschaft zum aktuellen Homo Sapiens verbleibt (noch) spekulativ. Ohne Frage, als Zielobjekt des Transhumanismus steht der humane Körper fundamental im Zentrum unseres Jahresthemas 2026: TRANSHUMAN .
Daher präsentiert der KVG in der zweiten Solo–Ausstellung Being Flesh von Roy Köhnke einen Künstler, der sich explizit mit der aktuellen wissenschaftlichen Erfassung und den sozialen Leitbildern des menschlichen Körpers facettenreich auseinandersetzt: Welche Vorstellung vom menschlichen Körper wird eigentlich in der heutigen Gesellschaft vertreten und wie wird dementsprechend mit Körpern verfahren?
Mit bahnbrechenden Proportionsstudien, u.a. von Michelangelo Bounarroti und Leonardo da Vinci (z.B. der „Vitruvianischer Mensch“), über grundlegende, naturwissenschaftliche Werke zur Anatomie z.B. Andreas Vesalius: „De Humani Corporis Fabrica Libri Septem“, bis hin zu den bildgebenden Techniken der heutigen Medizin (Röntgen, CT, Ultraschall, MRT und Nuklearmedizin) hat sich das gesellschaftliche Verständnis über die Beschaffenheit und das Potential des Körpers von der Renaissance bis zur heutigen Postmoderne stark gewandelt. Das undurchsichtige, fleischige Ebenbild Gottes wurde zum gläsernen Menschen, und als perfekt geschmierte, zelluläre Maschine scheinbar endgültig entmystifiziert.
Wie dieser funktional ausgerichtete Wissenskomplex über Beschaffenheit und Potential des Körpers unser Selbstverständnis als organisch-mechanische Wesen und die Zukunft unserer Spezies prägt, dem geht Roy Köhnke in seinen Werksreihen material-technologisch, aber auch emotional–sensorisch nach. Sein vorwiegend zeichnerisch-skulpturaler Ansatz integriert u.a. bildgebende medizinische Verfahren und greift unsere Faszination für die umfassende Analyse unseres körperlichen Seins auf. Oder vielleicht befeuert Köhnkes Formensprache auch die Entfremdung vor der medizinischen und mechanischen Dekonstruktion der Einheit, die wir früher als unseren eigenen Schutzraum aus Fleisch und Gedanken kannten: unseren individuellen Körper. Denn den Transhumanismus wirklich zu leben, könnte auch bedeuten, diesen genuinen Schutzraum des eigenen Körpers auf radikale Weise immer wieder neu zu transformieren, oder eher zu deformieren?
Die Begehung der Installationen des französischen Künstlers im Alten Rathaus kann sich so auch als eine – auf intensiven Eindrücken beruhende – Reflexion des eigenen Körperverständnisses in heutiger Zeit und naher Zukunft herausstellen.
*Peter Thiel, 03.05.2023, Interview mit der Journalistin Bari Weiss auf dem Podcast „Honestly with Bari Weiss“
PROGRAMM
Sa, 30. Mai ab 17 Uhr
Vernissage
Wilkommensreden und Einführung in die Ausstellung
Der Künstler und der Kurator werden vor Ort sein
geöffnet bis 20 Uhr, der Eintritt ist frei
So 7. Jun / So 21. Jun / So. 29. Jun
jeweils um 15 Uhr
Sonntagstour mit Joos Ziegler
So 26. Jul 2026 14 – 19 Uhr
Die große Finissage
geöffnet bis 19 Uhr (Eintritt frei) mit
15 – 16 Uhr
Führung
„Walk and Talk“ – durch die Ausstellung mit dem Kurator Stephan Klee in Deutsch und Englisch
17 – 18 Uhr
Ausstellungsgespräch
Mit Roy Köhnke, Stephan Klee und Special Gast
18 Uhr
Ausklang
Veranstaltungsbilder:
Roy Köhnke „Bugs series“ (Detail), 2024, Pigmentdruck auf Aluminium | Teil der Ausstellung „It is Stronger than I Thought“, kuratiert von Julien Arnaud, ADAGP | Photo: Salim Santa Lucia | Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers
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- Roy Köhnke, Installationsansicht „Ante Futur“, cur. Sandra Patron, CAPC, Bordeaux, Fr., 2023, photos credit : Salim Santa Lucia
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- Roy Köhnke, Installationsansicht „Ante Futur“, cur. Sandra Patron, CAPC, Bordeaux, Fr., 2023, photos credit : Salim Santa Lucia
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- Roy Köhnke, Installationsansicht „Ante Futur“ (detail), cur. Sandra Patron, CAPC, Bordeaux, Fr., 2023, photos credit : Salim Santa Lucia
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- Roy Köhnke, Installationsansicht „Ante Futur“ (Detail), cur. Sandra Patron, CAPC, Bordeaux, Fr., 2023, photos credit : Salim Santa Lucia
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- Roy Köhnke, Installationsansicht „Ante Futur“, cur. Sandra Patron, CAPC, Bordeaux, Fr., 2023, photos credit : Salim Santa Lucia
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- Roy Köhnke „Being Flesh“, Produktion Ansicht, MRT–Scan von Sculptur, Ko–Production: CAPC Bordeaux, Mecènes du Sud Montpelier_Sète, Buropolis and Jeanne Barret, Marseille
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- Roy Köhnke „Being Flesh“(still2), short version, UN1- 20 min, extract of 90 min sound track by Unglee Izy, Coproduction: CAPC Bordeaux, Mecènes du Sud Montpelier_Sète, Buropolis and Jeanne Barret, Marseille
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- Roy Köhnke „Being Flesh“(still2), short version, UN1- 20 min, extract of 90 min sound track by Unglee Izy, Coproduction _ CAPC Bordeaux, Mecènes du Sud Montpelier_Sète, Buropolis and Jeanne Barret, Marseille
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- Roy Köhnke „Being Flesh“(still2), short version, UN1- 20 min, extract of 90 min sound track by Unglee Izy, Coproduction _ CAPC Bordeaux, Mecènes du Sud Montpelier_Sète, Buropolis and Jeanne Barret, Marseille
ÜBER DEN KÜNSTLER
Von Skulpturen über Zeichnungen bis hin zu Multimedia-Installationen – Roy Köhnkes Arbeit verbindet Hochtechnologien mit elementarer Handarbeit. Sein Projekt zielt darauf ab, körperliche Grenzen zu überwinden, indem es die physischen Besonderheiten und Narrative des Körpers wieder mit seiner Umgebung verbindet und ihn gleichzeitig als eigenständiges Terrain und Narrativ betrachtet. Durch die Arbeit mit neuen Technologien wie MRT oder emotionaler KI erforscht er Alternativen zu den vorherrschenden Science-Fiction-Erzählungen, um einen Körper wiederherzustellen, der durch die Dominanz der Wissenschaft und der westlichen Kultur fragmentiert und isoliert wurde. Seine oft situativen, transformativen und kollaborativen Installationen sind Schauplätze von Interaktionen, ähnlich wie ein Filmset, auf denen sich neue Arten von biotechnologischen/queeren Organismen entwickeln und ihre Koexistenz mit Kraft und Vitalität behaupten. Seine Forschung konzentriert sich auf techno-biologische/ koevolutionäre Mechanismen, betrachtet durch das breitere Prisma von sozialer Gerechtigkeit, Umweltgerechtigkeit und Trans-Kämpfen.
mehr Informationen >> roykohnke.com/
DAS JAHRESPROGRAMM
TRANSHUMAN (2026)
>POSTHUMAN (2027)
Der Kunstverein Göttingen folgt in der Programmatik weiterhin dem bewährten Zwei–Jahres–Rhythmus von Biennalen, um eine möglichst tiefgreifende Auseinandersetzung mit den übergeordneten Leitthemen des Programms zu ermöglichen. Nachdem TERRA DIASPORA (2024 – 2025) Phänomene der Gegenwart untersucht hat, schaut unser aktuelles Programm in die nahe und entferntere Zukunft.
Das Zweijahresprogramm TRANSHUMAN >POSTHUMAN (2026 > 2027) widmet sich kritisch der von einigen Denkschulen erwarteten globalen Transformation: dem Übergang vom anthropozentrischen Menschen unserer Zeit zum technisch optimierten Transhumanen in naher Zukunft und noch weiter in die Zukunft unserer Spezies: zum Posthumanen. Kurz gesagt: die Entwicklung der Menschheit vom modernen Humanismus über den Transhumanismus zum Posthumanismus.
Das Leitmotiv des ersten Jahres lautet TRANSHUMAN (2026) und umfasst vier Einzelausstellungen und eine Gruppenausstellung, um künstlerische Ansätze und Werke zu einer Sammlung von Ansätzen und Aspekten über den Transhumanismus zusammenzustellen. Dabei bilden die bildnerische Auseinandersetzung mit der Beschleunigung der Technologieentwicklung und des kapitalistischen Wachstums und die angestrebte biotechnologische Optimierung des menschlichen Körpers und Geistes die formale und inhaltliche Basis aller Ausstellungen. Die resultierenden gesellschaftlichen Umwälzungen finden bereits jetzt vielfach in unserer Gegenwart statt – mit drastischen Folgen für das Zusammenleben innerhalb der Zeitspanne einer Generation. Diese akuten Erfahrungen fließen mit ein in die Visionen der nahenden Zukunft und in die kollektiv-kritische Reflexion sowohl durch die Kunstschaffenden als auch durch unser Publikum. Das berücksichtigend, wird ein weitreichendes Diskurs- und Vermittlungsprogramm angeboten. Auch eine Publikation des Jahresprogramms wird wieder angestrebt. Die Ideologie des Transhumanismus soll dabei nicht ungeprüft propagiert werden, sondern möglichst kritisch, gemeinsam und auf Basis der gezeigten Werke dekonstruiert werden. Dazu laden wir alle Interessierten hiermit herzlich ein.
Wir danken unseren Förderern: Niedersächsische Sparkassenstiftung, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stadt Göttingen, Sparkasse Göttingen und Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.

Datum
30. Mai (Samstag) - 26. Juli (Sonntag)
Veranstaltungsort
Kunstverein Göttingen im Alten Rathaus
Markt 9 | 37073 Göttingen
Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag 11 – 18 Uhr



