Ausstellung – Nieves de la Fuente
TRANSHUMAN N°4
Nieves de la Fuente
Xenoform
kuratiert von Stephan Klee
Vernissage
Samstag, den 8. August 17 Uhr
geöffnet bis 20 Uhr (Eintritt frei)
Laufzeit
9. August – 4. Okt 2026
Di – So 11 – 17 Uhr
Ort
Altes Rathaus Göttingen (1. OG)
Markt 9
37073 Göttingen
Eintritt:
€ 3,00 / € 1,50 (ermäßigt)
Gäste bis 18 Jahren frei
Kultur-Ticket frei
Vernissagen und Finissagen frei
EINFÜHRUNG
„Wir glauben, es gibt kein materielles Problem – sei es von der Natur oder Technologie verursacht – das nicht durch mehr Technologie gelöst werden kann!“ *
Wenn die Technologisierungs–Utopien des Transhumanismus in absehbarer Zeit in eine durchschlagende Realisierungsphase eintreten sollen, spielen bestimmte Pläne der führenden amerikanischen Technologie Konzernchefs eine entscheidende Rolle. Bei Ihnen herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Weltraum schnellstmöglich besiedelt werden sollte, um mit extraterrestrischen Ressourcen den Bedarf für die steigende Produktion abzudecken. Die Ressourcen der Erde sind endlich, ein neuer Wettlauf wurde eröffnet, nur das Motto heißt diesmal nicht „Go West! sondern eher „Go Mars!“ Damit nimmt die geschäftliche Raumfahrt eine neue Schlüsselrolle für die Durchsetzung einer Agenda expansiver, privater Technik-Implementierung ein; Elon Musk mit „SpaceX“ und „Starlink“ und Jeff Bezos mit „Blue Origin“ sind prominente Beispiele.
Viele Werke der spanischen Künstlerin Nieves de la Fuente greifen relevante Aspekte zu dieser Thematik auf. Die multimedialen Installationen setzen sich beispielsweise mit expansivem Bergbau auseinander und zeigen u.a. die totale topographische Verwerfung der ursprünglichen Landschaft, welche nach dem Abbau in ihrer leblosen Andersartigkeit frappierend direkt an die Oberfläche fremder Planeten erinnert. Durch das Mischen von echten Aufnahmen, digital gescannten und computergenerierten Visualisierungen werden die gezeigten Territorien einerseits noch schwerer fassbar, andererseits wirken sie in der hochtechnologischen Simulation noch futuristischer. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der gezeigten Gebiete verschmelzen in entrückten, fast surrealen Visionen, welche eigentlich dennoch einen akuten Handlungsbedarf aufzeigen. Denn es ist zu berücksichtigen, dass es solche verwüsteten Gebiete tatsächlich auf der Erde gibt und sie sich ausbreiten. Für diesen Themenkomplex stehen u.a. die Werkreihen von „Bridge“, von „No habrá servicio los Domingos ni en el cumpleaños de la Reina Victoria“ oder von „Reliquia de las Disciplinas Geográficas“, welche alle Teil dieser Ausstellung sind.
Andere Projekte in der Ausstellung, wie z.B. „Night Companions“ oder „ODD//FOES“ (Orbital Distant Debris Falling on Earth Surface) thematisieren die wachsende Anzahl von Satelliten, welche als Netz die Erde umspannen oder fern von ihr als „Pfadfinder“ den Weltraum durchqueren. Diese Flugkörper sind bereits grundlegend für Kommunikation und Navigation der Menschen und bilden zukünftig die Basis für eine mögliche Eroberung des Weltraums. Doch wer hat die Macht über diese Flugkörper und was passiert, wenn sie ausfallen? Auf der Erde dienten einst die Sterne der Navigation von Tieren und Menschen, heute haben erstere häufig das Nachsehen, da sie auf Sterne angewiesen sind, diese aber nicht mehr von leuchtenden „Satellitenpunkten“ am Nachthimmel unterscheiden können.
Nieves de la Fuente zeigt diese fünf Werkgruppen in ihrer Einzelausstellung in Göttingen und bereichert damit das Jahresthema TRANSHUMAN vielschichtig mit den neuen Bereichen und Aspekten aus ihrem Œuvre. Obschon inhaltlich komplex, konkretisiert die Künstlerin die Themen anhand realer Beispiele und macht diese in ihrer prägnanten Formensprache und hoch entwickelten Animationen einfach greifbar und zugänglich, ohne im rein Dokumentarischen zu verharren. Vielmehr dienen ihr die realen Fallbeispiele als Basis für die Erschaffung von sehr innovativen, eigenständigen Kunstwerken, welche das Vertraute mit dem Fremden fusionieren. Auf diese Art entsteht eine Spannung, welche die Besuchenden ästhetisch, akustisch und taktil in den von der Künstlerin generierten „Kunst–Umwelten“ erkunden können. Damit zeigt Nieves de la Fuente beispielhaft auf, wo sich in der Gegenwart bereits „Transhumane Tendenzen“ vollziehen und wie dieser Vollzug die menschliche Sicht auf interplanetare Konstellationen und Möglichkeiten grundlegend erweitert. Doch neue Handlungsspielräume erfordern auch den gesellschaftlichen Diskurs in der Abwägung möglicher Folgen für die Allgemeinheit. Der Kunstverein Göttingen ermöglicht diesen gemeinsamen, kritischen Diskurs im Rahmenprogramm und auf Basis seiner Ausstellungen zeitgenössischer Kunst als wichtigen Teil der eigenen, gesellschaftlichen Agenda.
* Marc Andreessen im Techno–Optimistischen Manifest, 2023
PROGRAMM
Sa, 8. Aug ab 17 Uhr
Vernissage
Willkommensreden und Einführung in die Ausstellung
Die Künstlerin und der Kurator werden vor Ort sein
geöffnet bis 20 Uhr (Eintritt frei)
So 30. Aug / So 20. Sep / So. 27. Sep
jeweils um 15 Uhr
Sonntagstour mit Joos Ziegler bzw. Stephan Klee
Sa 3. Okt 2026 um 11 – 16 Uhr
Die Kunst Matinée
mit Führung und Podiumsgespräch
So 4. Okt 2026 um 11 Uhr
Finissage
„Walk and Talk“ – durch die Ausstellung mit dem Kurator Stephan Klee in Deutsch und Englisch
und Ausklang
geöffnet bis 14 Uhr (Eintritt frei)
Veranstaltungsbilder:
Nieves de la Fuente ODD // FOES – Series, 2023, generiertes Bild, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026
Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „Brigde“ (screen shot), multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „Brigde“ (screen shot), multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „Brigde“ (screen shot), multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „No habrá servicio los Domingos ni en el Cumpleaños de la Reina Victoria, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „No habrá servicio los Domingos ni en el Cumpleaños de la Reina Victoria, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „No habrá servicio los Domingos ni en el Cumpleaños de la Reina Victoria, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „No habrá servicio los Domingos ni en el Cumpleaños de la Reina Victoria, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „No habrá servicio los Domingos ni en el Cumpleaños de la Reina Victoria, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin
- Nieves de la Fuente: „Night Companions“ (screen shot), multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, Photo@Heidi Pfohl
- Nieves de la Fuente: „Night Companions“, multimedia installation, courtesy the artist, @ VG Bild-Kunst Bonn, 2026, Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, Photo@Heidi Pfohl
ÜBER DIE KÜNSTLERIN
Nieves de la Fuente wurde 1988 in Madrid geboren; sie lebt und arbeitet in Köln und Madrid. Nach ihrem Bachelor in Kunst an der Universidad Complutense de Madrid (2011) und Studien an der Kunsthochschule Kassel (2011–2013), hat sie 2016 ein postgraduales Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln 2016 abgeschlossen.
An der Schnittstelle von ökonomisch transformiertem Gebiet und multimedialer Installation im Galerieraum nutzt Nieves de la Fuente häufig Virtual Reality, Browser Experience oder Augmented Reality, um die Betrachterinnen und Betrachter ihrer Arbeiten in historische Ereignisse, surrealistische Szenarien oder reale Orte mit besonderer Bedeutung – wie z.B. dem mondähnlichen (eher Mars-) Tagebaugebiet Rio Tinto in Südspanien – eintauchen zu lassen. Sie arbeitet u.a. an fortlaufenden Serien, die sich – dank des Digitalen – mit der (Re-)Visualisierung unmöglicher Welten und deren Verschmelzung mit dem realen Raum beschäftigen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf computergestützter Bildgebung und Kartierung sowie auf der Beziehung zur visuellen Wahrnehmung – ein relevanter Aspekt in einer Zeit, in der sich computergestützte Bildgebungstechnologien rasant entwickeln.
Sie war u.a. als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kunst/Transmedialer Raum an der KHM Köln (2018/2019) und an der Burg Giebichenstein Halle (2019/2021) tätig. Neben zahlreichen internationalen Residenzen, z.B. in Montepulciano, Montréal, Linz, Warehouse (online), Santander oder der Villa Aurora, Los Angeles; hat Nieves de la Fuente Gutiérrez zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, zuletzt den Künstlerinnenpreis des Landes NRW 2022.
Zitat:
„Kunst ist für mich ein diskursives Werkzeug für die Produktion von räumlichen Konstruktionen. Ich habe hauptsächlich skulptural und in Form von Installationen gearbeitet, um meinen Untersuchungsprozess zu verfolgen. Diese Installationen sind jedoch mit Technologie gefüllt: als Medium oder auch als Verweis auf sich selbst und ihre Formbarkeit. Meine Entscheidung für Virtualität und die Produktion von Erfahrung als Medium muss politisch gesehen werden. Als Künstlerin möchte ich das kulturelle Potenzial intellektueller und digitaler Landschaften als Gegenstand künstlerischer Forschung erkunden. In den letzten Jahren habe ich mit dem Geburtsort meiner Mutter gearbeitet, einem alten Bergwerkskomplex, der vollständig als Simulacrum einer Marslandschaft umgestaltet wurde. Die Themen Ökologie, Anthropozän und Feminismus sind wiederkehrende Themen, die ich in meiner gesamten Praxis aufgreife. Ich beschäftige mich mit der Übersetzung zwischen dem Analogen und dem Digitalen, die in letzter Zeit mit Virtual Reality als Medium und Teil von Installationskonstrukten in Verbindung gebracht wurde. Meine künstlerische Forschungsposition zu diesem Thema ist die Sensibilisierung der Körperlichkeit in VR, jedoch nicht basierend auf den Standards, die der technologische Konsens in der Unterhaltungsindustrie, auf der VR basiert, vorgibt.“
mehr Informationen >>www.nievesdelafuente.com
DAS JAHRESPROGRAMM
TRANSHUMAN (2026)
>POSTHUMAN (2027)
Der Kunstverein Göttingen folgt in der Programmatik weiterhin dem bewährten Zwei–Jahres–Rhythmus von Biennalen, um eine möglichst tiefgreifende Auseinandersetzung mit den übergeordneten Leitthemen des Programms zu ermöglichen. Nachdem TERRA DIASPORA (2024 – 2025) Phänomene der Gegenwart untersucht hat, schaut unser aktuelles Programm in die nahe und entferntere Zukunft.
Das Zweijahresprogramm TRANSHUMAN >POSTHUMAN (2026 > 2027) widmet sich kritisch der von einigen Denkschulen erwarteten globalen Transformation: dem Übergang vom anthropozentrischen Menschen unserer Zeit zum technisch optimierten Transhumanen in naher Zukunft und noch weiter in die Zukunft unserer Spezies: zum Posthumanen. Kurz gesagt: die Entwicklung der Menschheit vom modernen Humanismus über den Transhumanismus zum Posthumanismus.
Das Leitmotiv des ersten Jahres lautet TRANSHUMAN (2026) und umfasst vier Einzelausstellungen und eine Gruppenausstellung, um künstlerische Ansätze und Werke zu einer Sammlung von Ansätzen und Aspekten über den Transhumanismus zusammenzustellen. Dabei bilden die bildnerische Auseinandersetzung mit der Beschleunigung der Technologieentwicklung und des kapitalistischen Wachstums und die angestrebte biotechnologische Optimierung des menschlichen Körpers und Geistes die formale und inhaltliche Basis aller Ausstellungen. Die resultierenden gesellschaftlichen Umwälzungen finden bereits jetzt vielfach in unserer Gegenwart statt – mit drastischen Folgen für das Zusammenleben innerhalb der Zeitspanne einer Generation. Diese akuten Erfahrungen fließen mit ein in die Visionen der nahenden Zukunft und in die kollektiv-kritische Reflexion sowohl durch die Kunstschaffenden als auch durch unser Publikum. Das berücksichtigend, wird ein weitreichendes Diskurs- und Vermittlungsprogramm angeboten. Auch eine Publikation des Jahresprogramms wird wieder angestrebt. Die Ideologie des Transhumanismus soll dabei nicht ungeprüft propagiert werden, sondern möglichst kritisch, gemeinsam und auf Basis der gezeigten Werke dekonstruiert werden. Dazu laden wir alle Interessierten hiermit herzlich ein.
Wir danken unseren Förderern: Hochschule Bielefeld, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Stadt Göttingen, Sparkasse Göttingen und Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.












































































