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Perfect Lives

14.08. – 09.10. 2016

Robert Ashley, Trisha Baga, Loretta Fahrenholz, Fabian Hesse, Sasha Litvintseva

Die Gruppenausstellung zeigt künstlerische Überlegungen zu alternativen Wirklichkeiten. Ihren Titel bezieht sie von Robert Ashleys gleichnamiger Fernseh-Oper, in der Banküberfälle, Cocktailbars, geriatrische Liebe und adoleszente Ehe im amerikanischen Mittleren Westen inszeniert werden und der FernsehzuschauerIn in Form von Cut-ups und Samplings innerhalb einer unwirklichen Fernsehlandschaft begegnen. Ashleys Arbeit spielt mit der Wahrnehmung von Bild, Sprache und Musik und vermischt Storytelling, Meditation und visuelle Effekte zur komplexen Konstruktion einer unwirklichen Realität. Sie entwirft eine Landschaft, die sich parallel zu unserer Wirklichkeit befindet und neue Formen menschlicher Echtheit hervorbringt.

Der Kunstverein Göttingen bringt für "Perfect Lives" fünf künstlerische Positionen zusammen, deren Arbeiten identitäre Differenz, Artifizialität und Gruppenbildung umkreisen. Die präsentierten Videos und skulpturalen Werke lassen dabei die momentane Konstitution unserer Gesellschaft als komplexes Bild entstehen: Sie thematisieren Selbstvermarktung und Konsum, Neoliberalismus oder staatliche Kontrollen, nutzen Noise und testen alternative Lebensszenarien. Die Arbeiten zeigen geschichtsfressende, hyperreale Urlaubsressorts oder verwenden New York als postapokalyptisches Setting. Sie verstehen Identitäten als verquirlte 3D-Meshes und driftende Datensätze oder lassen die künstliche Normalitäts-Blase eines Kreuzfahrtschiffs zum Kulturschock werden. Identität definiert hier keine feste Entität, sondern umschreibt die liquide und wandelbare Echtheit einer Person oder Sache. Die Werke umarmen Zufall wie Improvisation und zeichnen sich durch eine großzügige Nicht-Fixiertheit aus, denn alles könnte auch ganz anders sein. Sie stellen Bilder möglicher Realitäten vor, durch die Utopien, Subkulturen und Parallelgesellschaften erprobt werden und alternative Identitätskonstruktionen entstehen könn(t)en. Die teilnehmenden Arbeiten verspinnen sich so miteinander und innerhalb ihrer eigenen erzählerischen Matrix. Sie funktionieren als Kommentare auf derzeitige Gesellschaftsphänomene und sind gleichzeitig ein Entwurf für utopische bis dystopische Zukünfte.

As composers we built the car, but we don’t tell you where to drive it. Mit diesen Worten beschrieb der Pianist „Blue“ Gene Tyranny* die Idee der TV-Oper Perfect Lives. Die Gruppenausstellung im Kunstverein Göttingen greift diesen Gedanken auf und präsentiert den BesucherInnen eine Werkkonstellation als Werkzeug, um in die eigenen inneren Landschaften aufzubrechen.

Mit künstlerischen Arbeiten von Robert Ashley, Trisha Baga, Loretta Fahrenholz, Fabian Hesse und Sasha Litvintseva.

  • zitiert nach „Yes, But Is It Edible?“ (Hrsg. Will Holder/Alex Waterman).